{"id":60,"date":"2016-02-04T17:49:24","date_gmt":"2016-02-04T17:49:24","guid":{"rendered":"http:\/\/howifoughtthegermansandwon.de\/?p=60"},"modified":"2016-02-04T17:49:24","modified_gmt":"2016-02-04T17:49:24","slug":"meine-frau-die-jedi-ritterin","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/berlinerisch.com\/de\/2016\/02\/04\/meine-frau-die-jedi-ritterin\/","title":{"rendered":"Meine Frau die Jedi Ritterin"},"content":{"rendered":"<p>Deutsche reden ungern aber diskutieren viel.<\/p>\n<p>Mach die Glotze an Freitag Abends:<a href=\"http:\/\/www.mdr.de\/riverboat\/verteilseite2210.html\" target=\"_blank\"> Jeder<\/a> <a href=\"http:\/\/www.ardmediathek.de\/tv\/3nach9\/Sendung?documentId=967542&amp;\" target=\"_blank\">diskutiert<\/a> <a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/fernsehen\/sendungen\/ndr_talk_show\/\" target=\"_blank\">\u00fcberall<\/a>. In l\u00e4ssigen Sesseln, an runden Tischen, auf roten Sofas.<\/p>\n<p>Und niemand diskutiert lieber als Beamte.<\/p>\n<p>Wenn man einem Beamten in der freien Wildbahn begegnet \u2013 sprich, auf dem Amt \u2013 ist eine ablehnende Haltung nicht gleich eine Ablehnung. Es ist eine Einladung zu einer Diskussion.<\/p>\n<figure id=\"attachment_61\" aria-describedby=\"caption-attachment-61\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-61\" src=\"http:\/\/berlinerisch.com\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2016\/02\/Discussion.jpg\" alt=\"Foto Dank Amira_a via Creative Commons\" width=\"500\" height=\"333\" srcset=\"http:\/\/berlinerisch.com\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2016\/02\/Discussion.jpg 500w, http:\/\/berlinerisch.com\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2016\/02\/Discussion-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-61\" class=\"wp-caption-text\">Foto Dank <a href=\"https:\/\/www.flickr.com\/photos\/amira_a\/\" target=\"_blank\">Amira_a<\/a> via <a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by\/2.0\/\" target=\"_blank\">Creative Commons<\/a><\/figcaption><\/figure>\n<p>Ein Beamter sagt vielleicht: \u201cDas k\u00f6nnen wir leider nicht heute f\u00fcr Sie erledigen.\u201d Und man w\u00fcrde meinen, dass es auch so ist. Aber meine Frau hat mir etwas Beamtisch beigebracht und in der \u00dcbersetzung hei\u00dft es, \u201cW\u00fcrden Sie bitte Ihre Anfrage begr\u00fcnden. Am besten mit etwas Schriftlichen von irgendeinem Amt und den einen oder anderen Paragrafen dazu.\u201c<\/p>\n<p>Und noch wahnsinniger: Leute reagieren darauf, reichen was ein und haben Erfolg.<\/p>\n<p>Crazy!<\/p>\n<p>Meine Frau ist ein Profi in Sachen diskutieren. Aber kein Wunder: sie ist ja deutsch. Aber selbst Deutsche sollten sie engagieren, um offiziellen Angelegenheiten zu kl\u00e4ren. Sie geht nicht zum Amt um irgendwas zu kl\u00e4ren. Sie geht dahin, um ein Kunstst\u00fcck zu schaffen. Beim Amt wandelte sich meine Frau in einen Jedi Ritter. Sie besiegt Beamte nach Beamte. Die dunkle Macht ist nichts gegen sie. \u201eDas sind die Dokumente die Ihr sucht.\u201d<\/p>\n<p>Kurz nach der Geburt unseres zweiten Kindes sind wir umgezogen und mussten die neue Adresse anmelden. Das war in der Zeit, wo die ganze Welt das Internet nutzte, nur die Regierung nicht. Es gab weder Termine noch Anrufm\u00f6glichkeiten und einen postalischen Weg sowieso nicht. Die einzige M\u00f6glichkeit war ein Besuch im B\u00fcrgeramt Rathaus Mitte in Berlin. Angekommen wurden wir sofort von einem Schwarm ungl\u00fccklicher B\u00fcrger begr\u00fc\u00dft. Es war klar, dass sie alle schon viel zu lange gewartet hatten.<\/p>\n<p>\u201eWo melden wir unsere neue Adresse an?\u201c fragte meine Frau mit schlafenden Baby im Baby Bj\u00f6rn auf der Brust. \u201eIst hier die richtige Stelle?\u201c<\/p>\n<p>Die Frau hinter der Theke schien sich zu freuen. Ich dachte, sie freut sich weil sie uns wegschicken darf. Aber jetzt wei\u00df ich, dass sie sich auf die Diskussion freute.<\/p>\n<figure id=\"attachment_62\" aria-describedby=\"caption-attachment-62\" style=\"width: 640px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-62\" src=\"http:\/\/berlinerisch.com\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2016\/02\/Discussion.2jpg.jpg\" alt=\"Foto dank die Grafs via Creative Commons\" width=\"640\" height=\"427\" srcset=\"http:\/\/berlinerisch.com\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2016\/02\/Discussion.2jpg.jpg 640w, http:\/\/berlinerisch.com\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2016\/02\/Discussion.2jpg-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-62\" class=\"wp-caption-text\">Foto dank <a href=\"https:\/\/www.flickr.com\/photos\/hagengraf\/\" target=\"_blank\">die Grafs<\/a> via <a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by\/2.0\/\" target=\"_blank\">Creative Commons<\/a><\/figcaption><\/figure>\n<p>\u201eNormalerweise kriegen Sie von mir eine Nummer und dann w\u00fcrden Sie oben warten bis Sie aufgerufen werden. Aber heute hat das keinen Sinn mehr. Da warten schon zu viele.\u201c Wie ich das jetzt schreibe, ist es viel netter als es damals r\u00fcber kam. Es klang ungef\u00e4hr so, als ob wir den Easyjet Piloten gefragt h\u00e4tten, ob wir das Flugzeug selber fliegen d\u00fcrften.<\/p>\n<p>\u201eAh\u201c, sagte meine Frau mit der Ruhe eines Beamten. \u201cAber mein Mann hat doch heute Nachmittag extra frei genommen und das Baby schl\u00e4ft gerade. Vielleicht k\u00f6nnen wir einfach die Nummer nehmen und trotzdem warten? Nur Falls.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas nutzt nichts. Sie kommen eh heute nicht mehr dran. Ich gebe Ihnen keine Nummer\u201c, sagte die Beamtin. Vielleicht hat sie sogar gezischt. Mag sein, dass wir alle eine primitive Reptil Sprache k\u00f6nnen, irgendwo tief in einer primitiven Ecke unseres Gehirns.<\/p>\n<p>Mag sein, dass Beamte eine ganz andere Spezies sind.<\/p>\n<p>Ich bin fast ausgetickt. Ich bereitete mich auf einen legend\u00e4ren Vortrag \u00fcber Steuerzahler und \u00d6ffentliche Mitarbeiter vor. Ich h\u00e4tte vielleicht einen Oscar gewonnen. Oder meine ganze Familie generationsweise blamiert. Aber meine Frau hat einfach ihre Hand gehoben um mir zu sagen, `Wird alles gut`.<\/p>\n<p>\u201eKlar. aber mein Mann hat sich doch heute Nachmittag extra frei genommen und das Baby schl\u00e4ft gerade. Vielleicht k\u00f6nnen wir einfach eine Nummer nehmen und trotzdem warten. Wenn es nicht klappt, dann klappt es eben nicht.\u201d Ach, meine Frau, dachte ich. Wie optimistisch! Und doof. Ich wurde immer w\u00fctender. Es war doch klar, dass diese Beamtin uns nicht helfen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>\u201eHaben sie alle Unterlagen dabei?\u201c fragte die Beamtin. \u201eZeigen Sie mal her.\u201d<\/p>\n<p>Ah, dachte ich. Cooler Schachzug! Sie will uns jetzt zeigen, dass wir doch nicht alles dabei haben. Dann kann sie uns mit einem Schmunzeln wegschicken.<\/p>\n<p>Nice Try, Frau Beamtin, dachte ich. Wir sind erfahrene Amtsg\u00e4nger! Wir haben alles dabei. Schachmatt!<\/p>\n<p>Ich war sehr stolz auf uns.<\/p>\n<p>Die Beamtin nahm unsere Dokumente, drehte sich kurz weg und tippte was im Computer. Sie holte einen Ausdruck, machte einen Stempel drauf und drehte sich wieder zu uns. Dann gab sie uns den Stapel zur\u00fcck.<\/p>\n<p>\u201eDa\u201c, sagte sie. \u201eDas habe ich f\u00fcr Sie erledigt.\u201c<\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen hier einen kleinen Zwischenstopp einbauen, weil so genial war dieser Moment. Es war einer der besten Momente meines Lebens. Vielleicht sogar besser als die Geburt meiner Kinder oder das erste Mal, als ich Star Wars gesehen habe. An dem Tag haben wir das Leben besiegt. Wir waren ganz Berlin \u00fcberlegen.<\/p>\n<p>\u201eWie hast du das geschafft?\u201c sagte ich voller Euphorie, als wir aus dem B\u00fcrgeramt liefen, mit der Anmeldung in der Tasche.<\/p>\n<p>\u201eWas geschafft?\u201c fragte sie. \u201eManchmal muss man sich halt auf eine kleine Diskussion einlassen.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Deutsche reden ungern aber diskutieren viel. Mach die Glotze an Freitag Abends: Jeder diskutiert \u00fcberall. In l\u00e4ssigen Sesseln, an runden Tischen, auf roten Sofas. 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