{"id":96,"date":"2016-04-05T19:33:02","date_gmt":"2016-04-05T19:33:02","guid":{"rendered":"http:\/\/howifoughtthegermansandwon.de\/?p=96"},"modified":"2016-04-05T19:33:02","modified_gmt":"2016-04-05T19:33:02","slug":"er-ist-wieder-da-gagschreiben-fuer-hitler","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/berlinerisch.com\/de\/2016\/04\/05\/er-ist-wieder-da-gagschreiben-fuer-hitler\/","title":{"rendered":"Er ist wieder da: Gagschreiben f\u00fcr Hitler"},"content":{"rendered":"<p>Ich habe gerade \u201e<a href=\"https:\/\/www.luebbe.de\/bastei-luebbe\/buecher\/sonstige-belletristik\/er-ist-wieder-da\/id_5388706\" target=\"_blank\">Er ist wieder da<\/a>\u201c zu Ende gelesen. F\u00fcr die, die es nicht wissen: Das Buch handelt von der Wiederkehr Hitlers in Berlin Mitte, im Jahr 2011.<\/p>\n<p>Es ist sehr lustig. Echt.<\/p>\n<p>Und f\u00fcr die, die es zweimal nicht wissen: Das Buch wurde als <a href=\"http:\/\/www.constantin-film.de\/kino\/er-ist-wieder-da\/\" target=\"_blank\">Film <\/a>gemacht. Ja, in 2014. Und ich habe das Buch am Wochenende zu Ende gelesen, weil es am 9. April auf Netflix erscheint. Zumindest au\u00dferhalb des deutschen Sprachraums.<\/p>\n<p>Und f\u00fcr die, die es nicht dreimal wissen: ich bin im Film.<\/p>\n<figure id=\"attachment_97\" aria-describedby=\"caption-attachment-97\" style=\"width: 640px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-97\" src=\"http:\/\/berlinerisch.com\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2016\/04\/160405_eristwiederda.jpg\" alt=\"Er ist wieder da.\" width=\"640\" height=\"425\" srcset=\"http:\/\/berlinerisch.com\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2016\/04\/160405_eristwiederda.jpg 640w, http:\/\/berlinerisch.com\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2016\/04\/160405_eristwiederda-300x199.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-97\" class=\"wp-caption-text\">Bild dank Constantin Film Verleih GmbH<\/figcaption><\/figure>\n<p>Damals, 2013, rief mich ein Bekannter aus der Filmszene an. Er fragte, ob ich Zeit und Interesse h\u00e4tte einem mysteri\u00f6sen Prominenten mit Comedy zu helfen. So eine Art Comedy Coach. Ich habe abgelehnt. Ich kann nicht viel im Leben und noch weniger jemanden einen Comedy Auftritt beibringen.<\/p>\n<p>Mein Bekannter fragte dann, ob ich dann vielleicht einfach ein paar Witze f\u00fcr den Prominenten schreiben k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>\u201eVielleicht,\u201c sagte ich.<\/p>\n<p>\u201eBezahlt\u201c, sagte er.<\/p>\n<p>Ich machte mich auf den Weg.<\/p>\n<p>Es war, glaube ich, an einem Mittwoch. Ich und ein paar Comedyfreunde befanden uns dann in einem Filmstudio im S\u00fcden von Berlin, nahe des nicht-zu-\u00f6ffnen Flughafens.<\/p>\n<p>Der Bekannte kam rein und stellte uns einen Regisseur vor. Der Regisseur erinnerte mich leicht an \u201e<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=fGTDGRfzpU8\" target=\"_blank\">das Tier<\/a>\u201c von der Muppets Show. Die hatten zumindest beide den gleichen Geschmack was Klamotten angeht.<\/p>\n<p>Das Tier fragte, ob wir das Buch \u201eEr ist wieder da\u201c kannten. Er mache gerade den Film dazu.<\/p>\n<p>\u201cWir d\u00fcrfen es euch eigentlich nicht verraten\u201c, sagte das Tier, \u201caber es funktioniert immer besser, wenn ihr es vorher wisst.\u201c<\/p>\n<p>\u201eIhr werdet Witze f\u00fcr Hitler schreiben\u201c, sagte er.<\/p>\n<p>Ich fragte mich, ob das nicht gerade ein Mel Brooks Theaterst\u00fcck war. Ich \u00fcberlegte, Springtime f\u00fcr Hitler zu singen.<\/p>\n<p>https:\/\/youtu.be\/kHmYIo7bcUw<\/p>\n<p>Aber bald tauchte Christoph Maria Herbst auf. Ja, Stromberg. Aber noch ernster.<\/p>\n<p>Ich musste erstmal schlucken. Es war ja Christoph Maria Herbst.<\/p>\n<p>Er schauspielte schon und erz\u00e4hlte uns, er h\u00e4tte einen Typ dabei, der entweder Hitler war und\/oder Hitler spielte. Hitler oder M\u00f6chtegern Hitler w\u00fcrde bald eine eigene Sendung kriegen und wir sollten uns dazu Witze \u00fcberlegen. Wir sollten erst einmal ein bisschen Brainstorming machen und der Typ, der entweder Christoph Maria Herbst war oder von Christoph Maria Herbst gespielt wurde, lenkte uns alle in eine klare Richtung.<\/p>\n<p>Nichts, sagte er, sollten wir ausschlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Klar, \u00fcber solche Witze denkt fast jeder. Aber nicht vor laufender Kamera. Und wenn doch, dann f\u00fcr viel mehr Geld.<\/p>\n<p>Mir wurde langsam unwohl. Ich wusste nicht wirklich, ob solche Witze am Ende OK sein w\u00fcrden.<\/p>\n<p>In solchen F\u00e4llen berufe ich mich immer auf meine deutschen Freunde, die eine \u00e4hnliche Gesinnung haben, wie ich. Einer davon ist ein Comedian und Filmemacher namens <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/GeorgKammererComedy\/\" target=\"_blank\">Georg<\/a>. An dem Tag sa\u00df er direkt neben mir.<\/p>\n<p>OK, dachte ich, wenn Georg dabei ist, dann ist alles paletti.<\/p>\n<p>Aber es war nicht nur unsere Aufgabe, die mich unwohl machte.<\/p>\n<p>Zwei Wachm\u00e4nner umkreisten die ganze Zeit das ganze Studio. Leise aber sicher. Sie sahen nicht gerade gl\u00fccklich aus.<\/p>\n<p>Ihre Rolle war mir ein R\u00e4tsel. Waren sie ein Teil des Ganzen? Oder waren sie da, falls irgendwelche Linksradikalen mit dem F\u00fchrer mal ein ernstes W\u00f6rtchen reden wollten? Waren wir irgendwelchen Gefahren ausgesetzt?<\/p>\n<p>Entweder waren die zwei T\u00fcrsteherburschen sau gute Schauspieler oder sie waren tats\u00e4chlich bullige Sicherheitsm\u00e4nner mit fragw\u00fcrdigen politischen Ansichten.<\/p>\n<p>Ich schwitzte und schwitzte.<\/p>\n<p>Christoph Maria Herbst (man kann einfach nicht seinen Namen nennen ohne alle drei Namen zu schreiben) bat uns dann, je f\u00fcnf Witze zu schreiben. Er las sie alle vor und sammelte seine Lieblings One-Liner. Dann holte er Hitler. Oder der Herr, der gerne Hitler w\u00e4re.<\/p>\n<h2>Er ist wieder da: Tats\u00e4chlich<\/h2>\n<p>Im Buch ist es tats\u00e4chlich ein kleiner \u00d6sterreicher. Aber an dem Tag war es ein \u00f6sterreichischer Schauspieler namens Oliver Masucci.<\/p>\n<p>Ich kannte ihn vorher auch nicht.<\/p>\n<p>Ich versuchte mir kurz vorzustellen, wie ich mich f\u00fchlen w\u00fcrde, wenn es tats\u00e4chlich der F\u00fchrer gewesen w\u00e4re. Aber so viel Vorstellungskraft habe ich anscheinend nicht. Es klappte nicht.<\/p>\n<p>Hitler bat uns dann um Rat f\u00fcr seine Sendung. Ich schlug vor, er sollte sich \u00fcber sich selbst lustig machen.<\/p>\n<p>\u201eDie Fallh\u00f6he ist ja ziemlich hoch\u201c, empfahl ich.<\/p>\n<p>Das fand Herr Hitler aber nicht lustig. Meine Empfehlung lehnte er ab.<\/p>\n<p>Obwohl er nicht wirklich Hitler war, hatte er trotzdem was Bedrohendes, als ob Putin da st\u00fcnde, aber ohne die F\u00e4higkeit, mir einen Autounfall auf dem Nachhauseweg passieren zu lassen.<\/p>\n<p>Und dann fing Georg an, sich aufzuregen. Irgendwas mit Schande und Vergangenheit und Emp\u00f6rung.<\/p>\n<p>\u201eOh fuck\u201c, dachte ich. \u201eWir machen hier etwas Falsches.\u201c<\/p>\n<p>Sollte George rausst\u00fcrmen, entschloss ich, w\u00fcrde ich ihm folgen. Wie ein paar Clark Gables in \u201eVom Winde verweht\u201c. Oder wie Don Quixote und Sancho Panza.<\/p>\n<p>Schei\u00df auf das Geld. Es ging ums Prinzip! Obwohl ich w\u00e4re doch ein bisschen entt\u00e4uscht \u2013 wann sonst w\u00fcrde mich jemand so ber\u00fchmtes wie Hitler um ein paar Witze bitten?<\/p>\n<p>Aber Georg ist sitzengeblieben und ich auch.<\/p>\n<p>Das Tier tauchte noch ein paar Mal auf und Hitler las unsere Witze vor. Ab und zu lachte er.<\/p>\n<p>Irgendwann kamen die Sicherheitsm\u00e4nner auf mich zu. Ich sollte rausgeschmissen werden. Wegen meines Vorschlags, Hitler solle sich \u00fcber sich selbst lustig machen.<\/p>\n<p>Ich hatte mal gelesen, dass man viel \u00fcber sich selbst erz\u00e4hlen soll, wenn man entf\u00fchrt wird. Die Entf\u00fchrer sehen dich dann als Mensch und nicht nur als Geisel. Und Menschen t\u00f6ten Entf\u00fchrer nicht so schnell. Als ich hinter den Kulissen mit den zwei Schr\u00e4nken stand, versuchte ich mich ein bisschen menschlicher darzustellen.<\/p>\n<p>\u201eSeid ihr eigentlich Schauspieler oder Sicherheitsm\u00e4nner?\u201c, fragte ich.<\/p>\n<p>\u201cDas ist alles Schei\u00dfe hier!\u201d bellte der eine. Ich glaube der mit den noch blonderen Haaren. Ich \u00fcberlegte, ob ich meine Krankenkassen Karte dabei hatte.<\/p>\n<p>Ich wei\u00df immer noch nicht, warum er so stark reagierte.<\/p>\n<p>Danach stand ich vor den Studio mit Georg. Ich fragte ihn, ob das alles ethisch in Ordnung gewesen war.<\/p>\n<p>\u201eWie?\u201c<\/p>\n<p>\u201eDa drin, wo du so ausgetickt bist.\u201d<\/p>\n<p>\u201eAch das? Ich wusste von vorneherein was los war. Ich war daf\u00fcr engagiert.\u201d<\/p>\n<p>\u201cEcht? Ich dachte, du fandst das alles Schei\u00dfe! Ich war bereit mit dir abzuhauen!\u201d<\/p>\n<p>\u201eTja\u201c, sagte er, e-Zigarette rauchend. \u201eDas nennet man Schauspiel.\u201c<\/p>\n<p>Monate sp\u00e4ter schaute meine Frau den Film, als er in den deutschen Kinos lief, mit vielen Holl\u00e4ndern im Publikum, in Berlin. Ich war bereits in Amerika. Ich erz\u00e4hlte ihr dann was ich dir gerade erz\u00e4hlt habe.<\/p>\n<p>\u201eDie Filmemacher sind echt gut,\u201c sagte sie. \u201eMan sieht dir das ver\u00e4ngstigte H\u00e4schen echt an. Aber dein Witz war auch der beste in der Szene.\u201c<\/p>\n<p>Ich freue mich darauf, es Freitag anzusehen.<\/p>\n<p>Hoffentlich hat sie Recht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich habe gerade \u201eEr ist wieder da\u201c zu Ende gelesen. 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