Michael Moore und ich

Der neuste Film von Michael Moore kommt in Amerika in die Kinos – und am 15. Februar auch in Deutschland. Das heißt, ich darf zwei Monate lang in kein Kino, wo der Film gezeigt wird. Warum? Weil Leute mich immer für Michael Moore halten.

Echt.

Als ich in Deutschland mit Comedy anfing, vermittelte mir ein anderer Komiker nach einen Auftritt die schlechte Nachricht.

„Weißt du wem du ähnlich siehst?“

Michael Moore
Foto Michael Moore und Gene Glover

„Naja, als Kind haben die Leute immer Michael J. Fox gesagt…“

„Nein. Dem Autor Michael Moore.”

In Deutschland denkt man das Michael Moore hauptsächlich Autor ist. In Amerika weiß man gar nicht, dass er Bücher schreibt. Kulturelle Unterschiede halt.

Aber von da an hatte ich meine Eröffnung auf der Bühne: „Nein, ich bin nicht Michael Moore.“ Manchmal sah ich, dass Leute dadurch enttäuscht waren. Eine Frau stand einmal auf und ging. Vielleicht weil ich nicht Michael Moore war. Oder vielleicht weil sie aufs Klo musste.

Du darfst entscheiden.

Ich bin ein Michael Moore

Ich hatte das Ganze vergessen, bis wir neulich in Portland Essen waren. Meine Frau und ich waren beim Japaner. Im Restaurant waren nur meine Frau, ich und die Kellnerin und der Koch. Wir bekamen ziemlich viel Aufmerksamkeit. Manchmal brachte die Kellnerin das Essen am Tisch. Manchmal der Koch. Sie waren etwas älter als wir, lächelten viel und ich würde meinen, dass sie ein Pärchen waren aber ich will nicht voreilig sein.

Vielleicht waren sie dann nicht zusammen aber jetzt. Wer weiß?

Aber irgendwann sagte der Kellner einfach: „Of course! We know the gentleman!“

Was uns komisch vorkam.

Meine Frau zuckte die Schulter einfach aber ich wusste was los war: Er dachte, ich sei Michael Moore. Wir waren sogar in dem Teil Portlands wo, sollte Michael Moore in Portland sein, Michael Moore sein würde. Portland hat sogar ein Hollywood – wir wohnen dort – aber da würden keine Promis Mittag speisen. Aber sie tauchen trotzdem manchmal in Hollywood, Portland auf.

Ich nenne Michael Moore ab jetzt nur Michael. Ich darf das. Wenn man ein Doppelgänger ist, darf man den anderen duzen. Steht im Regelbuch. Ich habe nachgeschaut.

Aber als der Kellner das mit Gentleman sagte, wurde ich rot und nervös. Weil, dann muss ich die Situation klären. Ich muss jetzt sagen, nein, der bin ich nicht und so tun also ob es mir nicht  unangenehmen ist.

Jedem wird es dann unangenehm wegen mir.

Und es ist nicht gerade schmeichelhaft mit Michael Moore verwechselt zu werden. Zumindest ist es nicht George Lucas. Selbst Werner Herzog wäre eine Verbesserung.

Wenn ich meinen Freunden von der Michael Problematik erzähle, sagen sie immer das gleiche: „Du bist aber gar nicht so dick!“ Ich weiß. Aber dick genug, anscheinend.

Zwei Wochen später befanden wir uns auf einer Geburtstagsfeier. Eine Frau setzte sich neben mir hin.

„Ich heiße Drew“, sagte ich.

„Ich heiße Alexandra“, sagte sie und fragte nach meinem Nachnamen. Dann schien sie von meinem echten Nachnahmen enttäuscht zu sein.

„Ich dachte, es würde `Moore‘ sein.“

Was mir wieder mal komisch vorkam.

Wenn es mir schon so geht, wenn Michael gar nicht im Rampenlicht steht, stell dir mal vor, wie es mir geht, wenn er gerade überall zu sehen ist. Ich könnte Autogramme verteilen.

Die Berlinale fing auch diese Woche an. Als ich noch in Berlin wohnte, musste ich aufhören, dort Filme zu gucken. Wegen Michael. Berlin füllt sich mit Filmbegeisterten während der Berlinale und sie wollen immer was von mir. Oder besser gesagt, von Michael.

Einmal auf der Berlinale warteten ein Freund und ich auf Einlass für einen Casey Affleck Film. Eine Frau neben mir wurde sichtlich nervös. Ihre Hände zitterten und sie wurde ganz rot im Gesicht.

Die Berlinale

„Und Sie gehen in diesen Film weil…“ sagte sie, schmunzelnd.

Was mir, ja, komisch vorkam.

„Weil mein Kumpel hier hat mir Karten besorgt“, sagte ich. Mein Kumpel sieht nicht aus wie ein Dokumentarfilmemacher. Oder gar ein Filmemacher. Sie sah leicht enttäuscht aus und schlich weg. Ich weiß aber nicht, ob sie es verstanden hat oder jedem erzählt, was Filme angeht, hat Michael Moore einen ganz schlechten Geschmack.

Danach sind wir in meine Lieblingskneipe um die Ecke gefahren. Sobald wir eintraten, kam es mir vor wie in einem Western Film, wo der neue Sheriff in den Saloon marschiert. Alle wurden plötzlich still und sogar die Musik hörte auf zu spielen.

Wir waren aber kein Sheriff und seine Posse. Wir waren nur wir. Und wir wollten nur ein Bier. Wir schlichen nach hinten und alle machten wieder das, was sie schon vorher gemacht hatten.

Ihr sollt wahrscheinlich Michael Moores` neuen Film gucken (oder das Buch lesen).

Ich kann ja nicht.