Magisch Deutschland: Frühstück

Im Englischen haben wir tatsächlich ein Wort für deutsches Frühstück: Abendessen.

Aber eigentlich ist das nicht ganz fair: das normale Abendessen hat gar nicht so viel Brot und Fleisch wie ein durchschnittliches deutsches Frühstück.

Im Vergleich zu anderen Ländern, geben Deutsche gar nicht so sehr mit ihrem Frühstück an. Nicht wie Briten und ihr Full English. Oder wir Amis und unser Pancakes and Bacon oder sogar die Franzosen und das Croissant. Die Italiener? Die Italiener essen kein Frühstück. Sie schlürfen Espresso und sehen dabei gut aus. Es stimmt: Italiener sehen sogar am frühen Morgen gut aus. Ich weiß es. Ich war mal dort.

Deutsches Frühstück
Foto danke Kai Hendry via Creative Commons

Aber Deutsche geben gar nicht so an wegen ihres Frühstücks, hauptsächlich weil sie sich so viel Mühe geben müssen, um so ein Frühstück zu essen. Der Grundbaustein eines deutschen Frühstücks ist der Hauptstolz Deutschlands. Nein, nicht etwa das Autos oder gar das Bier. Nein, der Nationalstolz ist eigentlich das zusammenmischen von Mehl, Hefe und Wasser. Ein aufgebackenes Horrorszenario für Gluten Gegner: das Brot.

Ein mini- Brotlaib ist das Grundgerüst jedes deutschen Frühstücks: Das Brötchen. Es kann eine langweilige Schrippen sein oder ein kompliziertes Zusammengefüge aus Samen, Nüssen, technologisch fortgeschrittenem Mehl und ein paar Tränen von Nietzsche. Hauptsache Brot.

Jedes Brötchen wird dann in zwei Hälften längs aufgeschnitten und dann reichlich mit Butter beschmiert. Dann geht’s erst richtig los: Belegen mit irgendwas tierischem aber am besten mit Fleisch. Schinken, Leberwurst, Kochschinken, Teewurst, Schwarzwälder Schinken, Bierwurst.

Sowas halt.

Manchmal erlauben die Frühstücksschiedsrichter sogar diverse Marmeladen, Nutella, Rühreier oder das eine oder andere Gemüse. Für Fortgeschrittene gibt es natürlich Goldsaft – eigentlich nur Syrup aus der Zuckerrübe aber geschmacklos, geruchslos und gar nicht so klebrig. Ich glaube, Leute kaufen nur Goldsaft weil es eben Saft von Gold ist. Wer will das nicht?

Ich sage euch wer: Faulenzer, Versager und Bayern München Fans.

Und wem das nicht reicht, für den gibt es natürlich auch noch ein weich gekochtes Ei. Ich glaube es ist eher sowas um die Geschmäcker zu neutralisieren. Wie ein Eiersorbet.

Ich war mir nie ganz sicher wie viel man beim deutschen Frühstück essen sollte. Nach zwei Brötchen Hälften bin ich meistens satt (das wäre dann ein ganzes Brötchen, für die Mathematiker unter uns). Aber ich esse meistens zwei ganze, weil, um Louis C.K. zu zitieren, ich höre nicht auf, wenn ich satt bin. Ich höre auf, wenn ich mich selber hasse.

Wie ein braver Deutscher.

Deutsches Frühstück und Frühstücksersatzverdauungsmägen

Jedes Mal, wenn ein nicht deutscher einem deutschen Frühstück begegnet, fragt sich der nicht deutsche, wie Deutsche so oft so etwas essen können und dabei nicht gleich amerikanisch aussehen. Ehrlich gesagt, frage ich mich dass auch jedes Mal, wenn wir ein deutsches Frühstück zu uns nehmen. Ich werde tatsächlich mehr amerikanisch je mehr deutsche Frühstücke ich esse. Ich teile seit 14 Jahre eine Wohnung mit einer Deutschen und habe schon zwei halb- Deutsche gezeugt und ich weiß immer noch nicht, wie Deutsche das schaffen.

Wie sie es schaffen ist anscheinend ein Staatsgeheimnis wie die UFOs in Roswell, New Mexico oder Heino’s Augenfarbe. Die einzige Erklärung, die ich dafür finden kann, ist, dass Deutsche zwei Mägen haben. Wie Kühe. Deutsche haben sowas wie einen Frühstücksersatzverdauungsmagen, in dem die Regeln der Ernährung, von Physik und sogar der Schwerkraft außer Kraft gesetzt werden. Der  Frühstücksersatzverdauungsmagen verdaut ein deutsches Frühstück in einer ganz anderen Dimension und unterstützt dabei die Herstellung von Autos, Bier und schlechter Pop Musik – ganz ohne Kalorien.

Es gibt, soweit ich weiß, keine Antwort darauf. Und Frühstücksersatzverdauungsmagen ist bestimmt ein echtes Wort. Sicher.

Aber nach so vielen Worten über das deutsche Frühstück, habe ich mich heute für ein deutsches Frühstück zum Abendessen entschieden. Und dass gibt es auch bereits: das Abendbrot.

Weil man nie genug Brot essen kann.

Michael Moore und ich

Der neuste Film von Michael Moore kommt in Amerika in die Kinos – und am 15. Februar auch in Deutschland. Das heißt, ich darf zwei Monate lang in kein Kino, wo der Film gezeigt wird. Warum? Weil Leute mich immer für Michael Moore halten.

Echt.

Als ich in Deutschland mit Comedy anfing, vermittelte mir ein anderer Komiker nach einen Auftritt die schlechte Nachricht.

„Weißt du wem du ähnlich siehst?“

Michael Moore
Foto Michael Moore und Gene Glover

„Naja, als Kind haben die Leute immer Michael J. Fox gesagt…“

„Nein. Dem Autor Michael Moore.”

In Deutschland denkt man das Michael Moore hauptsächlich Autor ist. In Amerika weiß man gar nicht, dass er Bücher schreibt. Kulturelle Unterschiede halt.

Aber von da an hatte ich meine Eröffnung auf der Bühne: „Nein, ich bin nicht Michael Moore.“ Manchmal sah ich, dass Leute dadurch enttäuscht waren. Eine Frau stand einmal auf und ging. Vielleicht weil ich nicht Michael Moore war. Oder vielleicht weil sie aufs Klo musste.

Du darfst entscheiden.

Ich bin ein Michael Moore

Ich hatte das Ganze vergessen, bis wir neulich in Portland Essen waren. Meine Frau und ich waren beim Japaner. Im Restaurant waren nur meine Frau, ich und die Kellnerin und der Koch. Wir bekamen ziemlich viel Aufmerksamkeit. Manchmal brachte die Kellnerin das Essen am Tisch. Manchmal der Koch. Sie waren etwas älter als wir, lächelten viel und ich würde meinen, dass sie ein Pärchen waren aber ich will nicht voreilig sein.

Vielleicht waren sie dann nicht zusammen aber jetzt. Wer weiß?

Aber irgendwann sagte der Kellner einfach: „Of course! We know the gentleman!“

Was uns komisch vorkam.

Meine Frau zuckte die Schulter einfach aber ich wusste was los war: Er dachte, ich sei Michael Moore. Wir waren sogar in dem Teil Portlands wo, sollte Michael Moore in Portland sein, Michael Moore sein würde. Portland hat sogar ein Hollywood – wir wohnen dort – aber da würden keine Promis Mittag speisen. Aber sie tauchen trotzdem manchmal in Hollywood, Portland auf.

Ich nenne Michael Moore ab jetzt nur Michael. Ich darf das. Wenn man ein Doppelgänger ist, darf man den anderen duzen. Steht im Regelbuch. Ich habe nachgeschaut.

Aber als der Kellner das mit Gentleman sagte, wurde ich rot und nervös. Weil, dann muss ich die Situation klären. Ich muss jetzt sagen, nein, der bin ich nicht und so tun also ob es mir nicht  unangenehmen ist.

Jedem wird es dann unangenehm wegen mir.

Und es ist nicht gerade schmeichelhaft mit Michael Moore verwechselt zu werden. Zumindest ist es nicht George Lucas. Selbst Werner Herzog wäre eine Verbesserung.

Wenn ich meinen Freunden von der Michael Problematik erzähle, sagen sie immer das gleiche: „Du bist aber gar nicht so dick!“ Ich weiß. Aber dick genug, anscheinend.

Zwei Wochen später befanden wir uns auf einer Geburtstagsfeier. Eine Frau setzte sich neben mir hin.

„Ich heiße Drew“, sagte ich.

„Ich heiße Alexandra“, sagte sie und fragte nach meinem Nachnamen. Dann schien sie von meinem echten Nachnahmen enttäuscht zu sein.

„Ich dachte, es würde `Moore‘ sein.“

Was mir wieder mal komisch vorkam.

Wenn es mir schon so geht, wenn Michael gar nicht im Rampenlicht steht, stell dir mal vor, wie es mir geht, wenn er gerade überall zu sehen ist. Ich könnte Autogramme verteilen.

Die Berlinale fing auch diese Woche an. Als ich noch in Berlin wohnte, musste ich aufhören, dort Filme zu gucken. Wegen Michael. Berlin füllt sich mit Filmbegeisterten während der Berlinale und sie wollen immer was von mir. Oder besser gesagt, von Michael.

Einmal auf der Berlinale warteten ein Freund und ich auf Einlass für einen Casey Affleck Film. Eine Frau neben mir wurde sichtlich nervös. Ihre Hände zitterten und sie wurde ganz rot im Gesicht.

Die Berlinale

„Und Sie gehen in diesen Film weil…“ sagte sie, schmunzelnd.

Was mir, ja, komisch vorkam.

„Weil mein Kumpel hier hat mir Karten besorgt“, sagte ich. Mein Kumpel sieht nicht aus wie ein Dokumentarfilmemacher. Oder gar ein Filmemacher. Sie sah leicht enttäuscht aus und schlich weg. Ich weiß aber nicht, ob sie es verstanden hat oder jedem erzählt, was Filme angeht, hat Michael Moore einen ganz schlechten Geschmack.

Danach sind wir in meine Lieblingskneipe um die Ecke gefahren. Sobald wir eintraten, kam es mir vor wie in einem Western Film, wo der neue Sheriff in den Saloon marschiert. Alle wurden plötzlich still und sogar die Musik hörte auf zu spielen.

Wir waren aber kein Sheriff und seine Posse. Wir waren nur wir. Und wir wollten nur ein Bier. Wir schlichen nach hinten und alle machten wieder das, was sie schon vorher gemacht hatten.

Ihr sollt wahrscheinlich Michael Moores` neuen Film gucken (oder das Buch lesen).

Ich kann ja nicht.

Meine Frau die Jedi Ritterin

Deutsche reden ungern aber diskutieren viel.

Mach die Glotze an Freitag Abends: Jeder diskutiert überall. In lässigen Sesseln, an runden Tischen, auf roten Sofas.

Und niemand diskutiert lieber als Beamte.

Wenn man einem Beamten in der freien Wildbahn begegnet – sprich, auf dem Amt – ist eine ablehnende Haltung nicht gleich eine Ablehnung. Es ist eine Einladung zu einer Diskussion.

Foto Dank Amira_a via Creative Commons
Foto Dank Amira_a via Creative Commons

Ein Beamter sagt vielleicht: “Das können wir leider nicht heute für Sie erledigen.” Und man würde meinen, dass es auch so ist. Aber meine Frau hat mir etwas Beamtisch beigebracht und in der Übersetzung heißt es, “Würden Sie bitte Ihre Anfrage begründen. Am besten mit etwas Schriftlichen von irgendeinem Amt und den einen oder anderen Paragrafen dazu.“

Und noch wahnsinniger: Leute reagieren darauf, reichen was ein und haben Erfolg.

Crazy!

Meine Frau ist ein Profi in Sachen diskutieren. Aber kein Wunder: sie ist ja deutsch. Aber selbst Deutsche sollten sie engagieren, um offiziellen Angelegenheiten zu klären. Sie geht nicht zum Amt um irgendwas zu klären. Sie geht dahin, um ein Kunststück zu schaffen. Beim Amt wandelte sich meine Frau in einen Jedi Ritter. Sie besiegt Beamte nach Beamte. Die dunkle Macht ist nichts gegen sie. „Das sind die Dokumente die Ihr sucht.”

Kurz nach der Geburt unseres zweiten Kindes sind wir umgezogen und mussten die neue Adresse anmelden. Das war in der Zeit, wo die ganze Welt das Internet nutzte, nur die Regierung nicht. Es gab weder Termine noch Anrufmöglichkeiten und einen postalischen Weg sowieso nicht. Die einzige Möglichkeit war ein Besuch im Bürgeramt Rathaus Mitte in Berlin. Angekommen wurden wir sofort von einem Schwarm unglücklicher Bürger begrüßt. Es war klar, dass sie alle schon viel zu lange gewartet hatten.

„Wo melden wir unsere neue Adresse an?“ fragte meine Frau mit schlafenden Baby im Baby Björn auf der Brust. „Ist hier die richtige Stelle?“

Die Frau hinter der Theke schien sich zu freuen. Ich dachte, sie freut sich weil sie uns wegschicken darf. Aber jetzt weiß ich, dass sie sich auf die Diskussion freute.

Foto dank die Grafs via Creative Commons
Foto dank die Grafs via Creative Commons

„Normalerweise kriegen Sie von mir eine Nummer und dann würden Sie oben warten bis Sie aufgerufen werden. Aber heute hat das keinen Sinn mehr. Da warten schon zu viele.“ Wie ich das jetzt schreibe, ist es viel netter als es damals rüber kam. Es klang ungefähr so, als ob wir den Easyjet Piloten gefragt hätten, ob wir das Flugzeug selber fliegen dürften.

„Ah“, sagte meine Frau mit der Ruhe eines Beamten. “Aber mein Mann hat doch heute Nachmittag extra frei genommen und das Baby schläft gerade. Vielleicht können wir einfach die Nummer nehmen und trotzdem warten? Nur Falls.“

„Das nutzt nichts. Sie kommen eh heute nicht mehr dran. Ich gebe Ihnen keine Nummer“, sagte die Beamtin. Vielleicht hat sie sogar gezischt. Mag sein, dass wir alle eine primitive Reptil Sprache können, irgendwo tief in einer primitiven Ecke unseres Gehirns.

Mag sein, dass Beamte eine ganz andere Spezies sind.

Ich bin fast ausgetickt. Ich bereitete mich auf einen legendären Vortrag über Steuerzahler und Öffentliche Mitarbeiter vor. Ich hätte vielleicht einen Oscar gewonnen. Oder meine ganze Familie generationsweise blamiert. Aber meine Frau hat einfach ihre Hand gehoben um mir zu sagen, `Wird alles gut`.

„Klar. aber mein Mann hat sich doch heute Nachmittag extra frei genommen und das Baby schläft gerade. Vielleicht können wir einfach eine Nummer nehmen und trotzdem warten. Wenn es nicht klappt, dann klappt es eben nicht.” Ach, meine Frau, dachte ich. Wie optimistisch! Und doof. Ich wurde immer wütender. Es war doch klar, dass diese Beamtin uns nicht helfen würde.

„Haben sie alle Unterlagen dabei?“ fragte die Beamtin. „Zeigen Sie mal her.”

Ah, dachte ich. Cooler Schachzug! Sie will uns jetzt zeigen, dass wir doch nicht alles dabei haben. Dann kann sie uns mit einem Schmunzeln wegschicken.

Nice Try, Frau Beamtin, dachte ich. Wir sind erfahrene Amtsgänger! Wir haben alles dabei. Schachmatt!

Ich war sehr stolz auf uns.

Die Beamtin nahm unsere Dokumente, drehte sich kurz weg und tippte was im Computer. Sie holte einen Ausdruck, machte einen Stempel drauf und drehte sich wieder zu uns. Dann gab sie uns den Stapel zurück.

„Da“, sagte sie. „Das habe ich für Sie erledigt.“

Wir müssen hier einen kleinen Zwischenstopp einbauen, weil so genial war dieser Moment. Es war einer der besten Momente meines Lebens. Vielleicht sogar besser als die Geburt meiner Kinder oder das erste Mal, als ich Star Wars gesehen habe. An dem Tag haben wir das Leben besiegt. Wir waren ganz Berlin überlegen.

„Wie hast du das geschafft?“ sagte ich voller Euphorie, als wir aus dem Bürgeramt liefen, mit der Anmeldung in der Tasche.

„Was geschafft?“ fragte sie. „Manchmal muss man sich halt auf eine kleine Diskussion einlassen.“