So half mir Asterix mein Deutsch zu verbessern

Als ich im letzten Jahrhundert Austauschschüler in Deutschland war, entdeckte ich ein Geheimnis, um Deutsch zu lernen. Ich meine, neben der Herz zerbrechenden Einsamkeit und der endlosen Langeweile.

Bevor ich in Deutschland ankam, hatte ich nur zwei Jahre Deutsch in der Mittelstufe (kleiner shout out an meine damaligen Mitleidenden in Frau Cathcart’s Klasse) und ein Jahr und noch was Deutsch in der Oberstufe. Das ist so gut wie ein Youtube Deutschlern Video oder eine Stunde mit Duolingo.

Mein Deutsch war nicht gerade fließend.

deutsch lernen

 

Als ich mich am Anfang auf Deutsch unterhielt, war es mir gar nicht möglich zu merken, wo ein Wort aufhörte und das nächste anfing. Deutsch klang ganz anders aus dem Munde Deutscher, die durch billige Kopfhörer in dem Sprachlabor von der Smoky Hill High School zu mir sprachen. Und dann, als ich anfing die Wörter zu erkennen, schrieb ich die unbekannten Wörter immer auf. Sie waren ausschließlich Namen. Silke, Thorsten, Sebastian und Volker waren mir alle fremd.

Ich habe sie tatsächlich alle im Wörterbuch nachgeschlagen.

Aber in einem Schrank in meinem Zimmer entdeckte ich ein Stapel Comics. Asterix und Obelix. Am Anfang kindisch aber dennoch, irgendwie anlockend. Und außerdem, ich musste die Zeit zwischen dem Abendessen und dem Schlafen irgendwie überbrücken.

Ich weiß, alle deutschen Besserwisser schreien jetzt auf, dass Asterix und Obelix gar nicht Deutsch sind. Ja, ich weiß. Aber die Ausgaben die ich zuerst entdeckt habe waren halt auf Deutsch und ich wollte zu dem Zeitpunkt nicht gerade Französisch lernen. Aber so ist das: Oft denkt man, dass Sachen aus dem Land stammen, wo man ihnen zuerst begegnet ist. Wie Nutella. Oder Spaghetti.

Deutsch lernen

Aber jeden Abend, einen Monat lang, drehte ich Simple Minds auf meinem Walkman auf und habe mein Deutsch verbessert. Die Formel der Hefte machten es mir leicht: Die Römer haben nur gesponnen und die Gallier waren immer überlegend. Obelix war dick zu Asterix’s doof.

Oder umgekehrt? Ist gar nicht so wichtig.

Die Hefte waren perfekt, weil mir ganz einfache deutsche Sätze begegneten in einem familiären Kontext. Zu viel von dem Deutsch, was Leute mir damals empfahlen, war viel zu hochkaratig. Zeitungen? Ich kannte gerade Kohl und noch gar nicht Genscher, Honecker oder Herbert Grönemeyer. Und Bücher waren auch nicht besser. Heinrich Mann? Patrick Süskind? Ne.

Asterix und Obelix waren gerade richtig.

Und sie lieferten auch einen kulturellen Anker, um ein Gespräch mit Deutschen anzufangen.

Ja, Asterix und Obelix sind schon geil”, sagte Mark Bonitz zu mir in der Raucherecke, um mir bei meiner deutschen Umgangssprache zu helfen. “Probier´s mal damit”, sagte er während er mir ein Donald Duck Comic in die Hand drückte. Ich dachte, das wird nichts mit mir und Donald.

Thilo im Leistungskurs Chemie war da ein bisschen anders.

Ja, Asterix und Obelix. Habe ich auch gelesen”, sagte er. “… in der dritten Klasse.”

Ich habe noch eine Lektion von Thilo an dem Tag gelernt. Es ist besser deine freie Zeit in der Raucherecke zu verbringen, auch wenn Du nicht rauchst.

Ein Ausländer lernt Chinesisch

An meinem ersten Tag als Austauschschüler auf einem deutschen Gymnasium bin ich sprachlos geworden. Während der Hofpause, strömten Kinder aus der benachbarten Grundschule und tummelten sich plötzlich um einen grauen Klotz auf dem Spielplatz. Eine Tischtennisplatte (aus Beton?). Sie hüpften. Sie schrien. Sie waren völlig außer sich. Und als ich näher kam und sah was die da machten, öffnete sich eine große Leere in meiner Kindheit. Mir war klar: Ich hatte was verpasst.

An dem Tag lernte ich, dass wir Amis einen Riesenfehler machen. Jedes Jahr zu Weihnachten kriegen unzählige US-Amerikanische Kinder Tischtennisplatten zum Weihnachtsfest. Nach nur ein paar Monaten mäßigem Gebrauch, werden sie dann zu Basteltischen ­– oder sogar Wäschetischen – umfunktioniert. Damals glaubten wir – und glauben Amis immer noch – dass man auf Tischtennisplatten höchstens zu viert spielen kann. Beim Chillen nach der Schule ist das oft zu wenig und nach nur einige Wochen wird uns das gängige eins gegen eins oder zwei gegen zwei einfach langweilig.

Rundlauf Tischtennis
Bild Dank Oranjejon via Creative Commons.

Wir wissen nicht dass es eine andere Welt gibt.

An meinem ersten Tag als Austauschschüler habe ich gestaunt. An dem Tag habe ich Rundlauf Tischtennis kennengelernt. Ein Kind gab an und rutschte schnell nach rechts. Auf der anderen Seite schlug der nächste Gegner zurück und rutschte auch nach rechts. Dann der nächste Gegner (oder Gegnerin). Dann der/die Nächste usw. Es ging so, bis jemand versagt hat. Und dann fing es, ohne den Versager, nochmal an. Es ging so bis nur noch zwei Grundschüler im Spiel waren. Eine Art Meisterschaft. Aber kurz nach dem Endspiel, als ein Meister gekrönt wurde, ging das ganze wieder von vorne los und der (gekrönte) Meister war schnell vergessen.

Krach. Hoffnung. Ausscheiden. Es erinnerte mich an Thunderdome – We don’t need another hero! – oder mindestens an Dodgeball. Aber ohne dass jemand eine blutige Nase kriegte. Und jeder durfte mal ran, was mir auch imponierte. Jeder!

Als ich das gesehen habe, wollte ich die Grundschule wiederholen. Und zwar in Deutschland.

„Hast du das gesehen?” sagte ich danach im Leistungskurs Bio. Ich erzählte lebhaft von dem, was ich gerade erlebt hatte.

„Meinst du Chinesisch?” fragte Bernd Müller, unbeeindruckt. „Haben wir auch in der Grundschule gespielt.“

Bernd schien mir sehr abgehärtet zu sein. Mein Leben hatte sich gerade geändert und Bernd wollte nur Alkoholketten lernen. Ich konzentrierte mich lieber auf die Regeln des Rundlauftischtennis. Die durfte ich nie vergessen.

Als ich nach Berlin im Jahr 2000 zog, durfte ich endlich meine langersehnte chinesische Fantasie ausleben – Rundlauf Tischtennis spielte ich leidenschaftlich bei Ping Pong Country Veranstaltungen sowie in Dr. Pong. Und ich bin nicht der einzige der sich in Chinesisch (oder Mäxle) verliebt hatte: Es gibt mittlerweile auch Tischtenniskneipen in Amerika.

Und viel weniger Tischtennisplatten dienen jetzt als Basteltische. Oder wenn doch, dann nur vorübergehend.